Martin Luksan antwortet Christoph Schönborn

Heute, 12.06.2009 Christoph Schönborn fordert in einem Gastkommentar/Advertorial im zeitungsähnlichen Medium heute vom 12.6.2009, die Buskampagne möge nebst Werbesprüchen auch Argumente bringen. Martin Luksan (Vorsitzender des Freidenkerbundes) antwortet (siehe auch politwatch.at):

Mit zweierlei Maß messen,
um zu unterdrücken!

Der Kardinal nahm die Laizisten von seiner Kanzel in der Massenzeitung aus zur Kenntnis. Das ist nicht nichts. Er schrieb auch gute Worte:

Wir haben Religionsfreiheit. Und daher auch die Freiheit, nicht an Gott zu glauben. Das ist gut so. Gut ist auch, dass es vielen nicht gleichgültig ist, ob Gott existiert oder nicht. Gut ist die öffentliche Debatte darüber.

Doch gleich wechselte er das Thema, schrieb über Werbung weiter und
schloss mit:

Werbesprüche sind keine Argumente.

Worum geht es diesmal? Eine Meinungsgruppe in Österreich möchte ihre säkulare Botschaft genauso in die Mitte der Öffentlichkeit stellen wie die katholische Kirche ihre religiösen Mythen. Sie möchte der österreichischen Gesellschaft drei Sätze mitteilen: Es gibt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Gott. Werte sind menschlich. Auf uns kommt es an.

Nun treten allerlei Nebenaspekte hinzu, ob die säkulare Botschaft eine Religion ist, ob sie die Botschaft der Großen Kirche verächtlich macht, ob die Wiener Linien noch nie oder immer schon religiöse und politische Werbung erlaubt haben. Der Teufel sitzt diesmal nicht im Detail, sondern in einer allgemeinen, österreichischen Mentalität.

Die Wiener Linien könnten einfach sagen: Die Katholische Kirche hat noch nie eine Botschaft auf einen unserer Busse aufgeklebt und bevor diese ehrwürdige Institution das noch nicht gemacht hat, dürft ihr das sowieso nicht. Doch das wäre kein juristisches Argument, sondern der wilde, katholische Osten.

Rein theoretisch könnten öffentliche und private Verkehrsbetriebe in Österreich politische und religiöse Inhalte auf ihren Werbeflächen verbieten und immer schon verboten haben. Doch dann erhebt sich die Frage, wie weit entfernt von den Werbewänden der Verkehrsbetriebe sich im Dezember 2008 folgender Spruch befand:

Zu Weihnachten wurde Jesus Christus geboren. Ein Fest der Freude
für die Menschen.

Diese zwei Sätze sind alles andere als harmlos, weil sich der erste Satz auf ein Datum und auf eine angeblich historische Person bezieht, die ein Gegenstand der Wissenschaften ist, und weil der zweite Satz suggeriert, dass alle Menschen an einen Gott glauben, der Mensch geworden ist, obwohl die Zahlen der Erdbevölkerung das glatt widerlegen. In Österreich befanden sich diese beiden Sätze auf 2300 Plakatflächen und in 600 Citylights. Sie kosteten 300 000 Euro.

Die Gruppe der Laizisten ließ Klebefolien in Deutschland herstellen, weil sie dort billiger sind, und mietete für 1100 Euro zwei Busse (Anm. Buslinien). Sie hätte lieber tausende Plakatflächen und hunderte Citylights beklebt, um die öffentliche Debatte in Gang zu bringen, aber es reichte nur für zwei Busse ein Monat lang. Noch ehe die Busse mit der säkularen Botschaft durch Wien fuhren, wurde der bereits unterschriebene Werbevertrag gekündigt.

Kardinal Schönborn begrüßt also die öffentliche Debatte. Und er bewundert auch die Wirksamkeit von Werbung. Deshalb war er am 3. Dezember 2008 über den weihnachtlichen Werbespruch so erfreut: gerade durch die Reduzierung auf das Wesentliche ist eine Konzentration der Botschaft möglich. Doch die Laizisten lässt er nunmehr durch die Zeitung wissen: Sie (die öffentliche Debatte) muss argumentieren. Gründe nennen, warum wir an Gott glauben und warum nicht. Ja warum wurde denn vor Weihnachten 2008 damit nicht begonnen? Warum glauben denn Christen, dass am 24. Dezember Gott geboren wurde. Das fehlte auf dem Plakat.

© Martin Luksan, 14. Juni 2009

Falter postuliert atheistischen Apostel

Falter, 17.06.2009 Im aktuellen Falter (25/09) berichtet Stefan Apfl in der Kolumne Mediaforschung über die Atheist Bus Campaign:

Gibt es Gott? “Nein”, sagt Niko Alm, “da bin ich mir persönlich sicher.”

… ] “Die Kampagne hat sicher einen provokanten Anspruch”, sagt Alm. Die Reaktion der Wiener Linien zeige aber ein weiteres Mal, dass “Religion in Österreich ein großes Tabuthema ist”. [ …

Erich Eder und Christoph Baumgarten zu Gast bei Hary Raithofer, 88.6

Erich Eder (Präsident, AG-Athe) und Christoph Baumgarten (Freidenkerbund Österreichs) waren heute früh zu Gast bei 88.6. Morgenshow-Moderator Hary Raithofer. Dieser versuchte natürlich die beiden mit gezielten Provokationen und den altbekannter religiöser Wehleidigkeit aus dem Konzept zu bringen. Damit ist er einmal mehr gescheitert.

88.6 Morning Show vom 15.6.2009, Teil 1

88.6 Morning Show vom 15.6.2009, Teil 2

profil kommentiert die Buskampagne

Profil, 15.06.2009 Sven Gächter hat im heutigen profil (15.6.2009) einen Kommentar zur Buskampagne abgegeben, den wir doch gerne mit einem Leserbrief beantworten.

Lieber Sven Gächter,

zugegebenermaßen ist das Substrat für einen Leserbrief etwas gering. Ich rechtfertige es damit, dass die Kolumne Mediamarkt leider keinerlei Position bezieht, nämlich weder die Entscheidung der Wiener Linien billigend, noch missbilligend. Nicht einmal, dass diese Kampagne ein Impulsgeber für eine Diskussion sein könnte, oder völlig irrelevant ist, kann ich herauslesen. Gerade das profil und Sven Gächter, die sonst nie vor klar artikulierter Meinung zurückschrecken, lavieren hier im aussagelosen Niemandsland. Alleine an der Formulierung des Slogans wird gemäkelt “schwerfällig” und “uninspiriert”, während die eigenen Englischkenntnisse gleich einmal ins Scheinwerferlicht gestellt werden (“augenzwinkernde Leichtigkeit”). Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Die englische Version war uns zu platt und humorlos. Das haben die Kollegen von buskampagne.de wesentlich besser erledigt. Die “mit an Sicherheit grenzende” Wahrscheinlichkeit ist ja dem Iuristischen entlehnt und beinhaltet wesentlich mehr Augenzwinkern als “probably”. Die Subline enthält zumindest einen konkreten Denkanstoß, der im Gegensatz dazu bei “Don’t worry – enjoy life!” eher in den Hintergrund tritt. Es kommt wahrscheinlich auf die persönliche Disposition an, was besser funktioniert. Es wird jedenfalls im Verlauf der Kampagne mehrere, auch leichtfüßigere Varianten geben. Der Seitenhieb auf die unterstellte Schwerfälligkeit ist jedenfalls billig, und Schade, wenn das als einziger Kritikpunkt übrigbleibt.

BG
Niko Alm

Regenbogenbeflaggung der Wiener Linien

Die Bim fährt in Wien mit Regenbogenfahnen durch die Stadt. Fällt das unter politische Werbung?
Ich denke schon: “gay” und “bright” sind miteinander mehr als nur vergleichbar. Beide kämpfen gegen die Diskriminierung ihrer Weltanschauung bzw. für das gleichberechtigte Ausüben ihrer Rechte.

Warum machen die Wiener Linien hier eine Ausnahme?

Die Kampagne findet natürlich statt

Nach der Absage der Wiener Linien bekamen wir einige Mails mit dem Ausdruck des Bedauerns, dass die Kampagne jetzt doch nicht stattfindet. Dem ist natürlich nicht so! Es soll zwar eine Kampagne sein, die ihrem Namen entsprechend auf Bussen durch die Städt rollt, aber Wien ist nicht die einzige Stadt und wir sind auch nicht auf Buswerbung beschränkt.

Die Kampagne läuft bereits seit Jänner 2009 in Österreich. In den letzten Monaten gab es Inserate mit dem englischen Originalslogan in The Gap, Vice und Biorama.

vice_atheistbus_90127

Als nächstes sind City Lights in Wien geplant.

Siehe auch Berichterstattung auf:

PS: Im Übrigen sei es den Wiener Linien unbenommen, unsere Kampagne abzulehen. Als privates Unternehmen können die Wiener Linien machen, was sie wollen. Unsere Kritik richtet sich an das Zurückziehen der bereits gegebenen Zusage, das Vorschieben der Gewista als Schuldigen und v. a. das Anführen einer Begründung, die keine (Atheismus ist keine Religion) ist. Nach dieser Regelung fielen vermutlich einige Kampagnen unter das selbstauferlegte Verbot von Werbung mit religiösem Hintergrund.

Recherchefehler von steiermark.orf.at

Der ORF berichtet auf steiermark.orf.at auch über eine geplante Durchführung der Kampagne in Graz.

Eine Wiener Agentur hatte das Plakat mit dem Text “There’s probably no god – Es gibt wahrscheinlich keinen Gott” sowohl den Wiener als auch den Grazer Verkehrsbetrieben angetragen – jedoch ohne Erfolg.

Super-Fi, die Agentur, die die Kampagne in Österreich abwickelt, hat zwar die Kampagne bei den Wiener Linien gebucht, aber in Graz noch gar nicht angefragt. Der ORF wäre gut beraten hier ordentlich zu recherchieren.

Interessant ist auch, dass in Graz die Kirche offensichtlich ein Veto bei nicht-genehmen Kampagnen einlegen darf:

Gescheitert ist das Vorhaben in Graz allerdings nicht am Veto der Kirche, sondern an den Grazer Verkehrsbetrieben (GVB).

Wir werden unsere (echte) Anfrage in den nächsten Tagen stellen und sind gespannt auf die Stellungnahme der Grazer Verkehrsbetriebe.



ZiB2-Beitrag vom 9.6.2009 über die Buskampagne

Die ZiB2 hat einen kurzen Beitrag zum Rückzieher der Gewista / Wiener Linien gemacht:

Sujet als PDF verfügbar, Sticker und T-Shirts folgen

Aufgrund der wachsenden Nachfrage gibt es das erste Sujet jetzt auch als PDF Download.

abcv_sujet11

Der stark nachgefragten (Auto-)Aufkleber und T-Shirts folgen in Kürze.

Erzdiözese Wien findet Buskampagne “nicht wahnsinnig intelligent”

Ein Beitrag der Katholischen Presseagentur mit dem Titel “‘Wiener Linien’ gegen Atheisten-Werbung auf Bussen” fördert erste Untergriffe zu Tage. Interessant ist folgende Passage:

Der Pressesprecher der Erzdiözese Wien, Erich Leitenberger, hatte im Gespräch mit dem “Standard” betont, er gehe davon aus, dass Aktionen wie in London und Barcelona in Wien nicht möglich sind. Wörtlich meinte Leitenberger: “Ich würde mich aber nicht davor fürchten, denn die Slogans sind nicht wahnsinnig intelligent”.

Hier wird von ein kausaler Zusammenhang unterstellt: Die Aktion wäre in Wien nicht möglich … denn die Slogans sind nicht wahnsinnig intelligent.

Wir bedanken uns artig für die Wortspende.