Gott konnte atheistische City Lights in Wien nicht verhindern

Seit heute ist die Kampagne tatsächlich im öffentlichen Raum an mehreren Standorten in Wien zu sehen und zwar auf den von der Gewista als Alternative zu den Bussen der Wiener Linien angebotenen City Lights.

Drei verschiedene Sujets gibt es zu sehen:

Es gibt keinen Gott. Gutes tun ist menschlich.

abc_cl_90609_sujet1

There’s probably no god. Now stop worrying and enjoy your life.

abc_cl_90609_sujet2

Gott ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein tschechischer Schlagersänger. Entspann dich. Er wird dir nichts tun.

abc_cl_90609_sujet3

Fotos ©Niko Ostermann (Vielen Dank!) von der Präsentation heute:

Pressespiegel folgt!

Ablehnung #3: Innsbruck

Um nach Wien und Graz möglichst schnell zu klaren Aussagen zu gelangen, haben wir in Innsbruck und Salzburg schon bei den ersten Anfragen gleich einen Draft des gewünschten Sujets mitgeliefert.

anfrage_ibk

Das bei den Innsbrucker Verkehrsbetrieben (IVB) einbuchende Unternehmen Sitour nahm die Anfrage entgegen und klärte das Sujet für uns ab – mit dem prompten Ergebnis der Ablehnung.

Eine weitere Nachfrage bei den IVB förderte folgende (doch eher knappe) Begründung zu Tage:

Sehr geehrter Herr Alm!

Als öffentliches Verkehrsunternehmen sind wir bestrebt keinerlei Werbung zuzulassen, die für einzelne Personen oder Gruppen beleidigend wirken könnte.

mit freundlichen grüßen

ing. harald jösslin
handlungsbevollmächtigter
bereichsleiter fuhrparkmanagement
sicherheitstechnischerdienst
innsbrucker verkehrsbetriebe und stubaitalbahn gmbh
pastorstraße 5, a-6010 innsbruck

Diese Antwort wirft natürlich das Problem der Grenzziehung auf: Welche Werbung ist für wen beleidigend?

Ein völlig unreligiöses Tourismus-Sujet (Quelle: Sitour)

Ein völlig unreligiöses Tourismus-Sujet (Quelle: Sitour)

Ablehnung #2: Graz

Ohne jemals angefragt zu haben, lehnten die Graz AG Verkehrsbetriebe (GVB) die Atheist Bus Campaign öffentlich via steiermark.orf.at schon im Juni ab.

Als privates Unternehmen, und eine AG ist per definitionem privat, steht es den GVB natürlich frei ohne Begründung Kampagnen abzulehnen. Dennoch waren wir daran interessiert eine Begründung zu erhalten. Schon wenige Wochen nach unserer Anfrage kam die Antwort, in der es ja außerdem aufzuklären galt, ob die Kirche in Graz, wie vom ORF unterstellt, tatsächlich ein Vetorecht bei Kampagnen hat.

Die Antwort von Dir. Dr. DI Antony Scholz im Originalwortlaut:

Sehr geehrter Herr Alm

In Bezug auf Ihre Mail vom 17.6.2009 möchten wir Ihnen mitteilen, dass die GVB als öffentliches Verkehrsmittel Menschen aller Konfessionen und natürlich auch Atheisten ohne Unterscheidung befördern.

Religionspolitische Diskussionen sind gesellschaftspolitisch sehr wichtig, sollten aber nicht in oder auf öffentlichen Verkehrsmitteln ausgetragen werden.

Das Management der GVB verfolgt diese Diskussionen mit Interesse und jeder GVB-Manager hat dazu seine persönliche Meinung, offiziell wollen und müssen wir uns aber aus dieser Diskussion heraushalten. Aus diesem Grund habe ich Ihnen schon einmal vorgeschlagen, sich an die Fa. Ankünder in Graz zu wenden und andere Möglichkeiten der Publikation bzw. Veröffentlichung, z. B. über Plakate in Graz, zu nutzen.

Feststellen möchten wir auch, dass die GVB kein Privatbetrieb sind, sondern die Stadt Graz Eigentümer ist. Weiters teilen wir Ihnen mit, dass die Kirche (welche?) natürlich kein Vetorecht in Bezug auf unsere Verkehrswerbung ausübt. Auch betreffend Ihrer Atheismus-Kampagne hat es KEINERLEI Kontakte mit irgendwelchen Religionsgemeinschaften gegeben.

Mit freundlichen Grüßen

A. Scholz

Dir. DI. Dr. Antony Scholz
Bereichsleiter

GRAZ AG – Stadtwerke für kommunale Dienste
Verkehrsbetriebe
Steyrergasse 114
8010 GRAZ | Austria
FN 54309 t, Landes- als Firmenbuchgericht Graz
DVR-Nr.: 0035343
UID-Nr.: ATU 28606700

Nach Wien hat Graz damit als zweite Stadt die Durchführung der Kampagne auf öffentlichen Verkehrsmitteln erfolgreich verhindert.

MO featuring Atheist Bus Campaign

In der aktuellen Ausgabe von MO (#15) ist die Buskampagne mit einem halbseitigen Inserat zu finden. Das Magazin von SOS Mitmensch liegt auch erstmals der Furche bei.

mo15

Das komplette Magazin gibt es hier als Download (PDF, 3.0 MB).

Die Atheist Bus Campaign im Wiener Gemeinderat

Martin Margulies (Die Grünen Wien) stellte am 22.6. bei der Sitzung des Wiener Gemeinderats einige Fragen zur Ablehnung der Atheist Bus Campaign durch die Wiener Linien an Renate Brauner, Vizebürgermeisterin und zugleich amtsführende Stadträtin der Geschäftsgruppe Finanzen, Wirtschaftspolitik und Wiener Stadtwerke.

Das Protokoll dieses Sitzungsteils ist auf seinem Blog zu finden.

Sowohl die (Nicht-)Antworten der Vizebürgermeisterin als auch die Zusatzfragen von Seiten der ÖVP und FPÖ lassen keinerlei Sensibilität für das eigentlich Problem, dass offensichtlich über Religion nicht gesprochen werden darf, erkennen.

siehe auch: “Lauer Sommerabend” auf politwatch.at

Martin Luksan antwortet Christoph Schönborn

Heute, 12.06.2009 Christoph Schönborn fordert in einem Gastkommentar/Advertorial im zeitungsähnlichen Medium heute vom 12.6.2009, die Buskampagne möge nebst Werbesprüchen auch Argumente bringen. Martin Luksan (Vorsitzender des Freidenkerbundes) antwortet (siehe auch politwatch.at):

Mit zweierlei Maß messen,
um zu unterdrücken!

Der Kardinal nahm die Laizisten von seiner Kanzel in der Massenzeitung aus zur Kenntnis. Das ist nicht nichts. Er schrieb auch gute Worte:

Wir haben Religionsfreiheit. Und daher auch die Freiheit, nicht an Gott zu glauben. Das ist gut so. Gut ist auch, dass es vielen nicht gleichgültig ist, ob Gott existiert oder nicht. Gut ist die öffentliche Debatte darüber.

Doch gleich wechselte er das Thema, schrieb über Werbung weiter und
schloss mit:

Werbesprüche sind keine Argumente.

Worum geht es diesmal? Eine Meinungsgruppe in Österreich möchte ihre säkulare Botschaft genauso in die Mitte der Öffentlichkeit stellen wie die katholische Kirche ihre religiösen Mythen. Sie möchte der österreichischen Gesellschaft drei Sätze mitteilen: Es gibt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Gott. Werte sind menschlich. Auf uns kommt es an.

Nun treten allerlei Nebenaspekte hinzu, ob die säkulare Botschaft eine Religion ist, ob sie die Botschaft der Großen Kirche verächtlich macht, ob die Wiener Linien noch nie oder immer schon religiöse und politische Werbung erlaubt haben. Der Teufel sitzt diesmal nicht im Detail, sondern in einer allgemeinen, österreichischen Mentalität.

Die Wiener Linien könnten einfach sagen: Die Katholische Kirche hat noch nie eine Botschaft auf einen unserer Busse aufgeklebt und bevor diese ehrwürdige Institution das noch nicht gemacht hat, dürft ihr das sowieso nicht. Doch das wäre kein juristisches Argument, sondern der wilde, katholische Osten.

Rein theoretisch könnten öffentliche und private Verkehrsbetriebe in Österreich politische und religiöse Inhalte auf ihren Werbeflächen verbieten und immer schon verboten haben. Doch dann erhebt sich die Frage, wie weit entfernt von den Werbewänden der Verkehrsbetriebe sich im Dezember 2008 folgender Spruch befand:

Zu Weihnachten wurde Jesus Christus geboren. Ein Fest der Freude
für die Menschen.

Diese zwei Sätze sind alles andere als harmlos, weil sich der erste Satz auf ein Datum und auf eine angeblich historische Person bezieht, die ein Gegenstand der Wissenschaften ist, und weil der zweite Satz suggeriert, dass alle Menschen an einen Gott glauben, der Mensch geworden ist, obwohl die Zahlen der Erdbevölkerung das glatt widerlegen. In Österreich befanden sich diese beiden Sätze auf 2300 Plakatflächen und in 600 Citylights. Sie kosteten 300 000 Euro.

Die Gruppe der Laizisten ließ Klebefolien in Deutschland herstellen, weil sie dort billiger sind, und mietete für 1100 Euro zwei Busse (Anm. Buslinien). Sie hätte lieber tausende Plakatflächen und hunderte Citylights beklebt, um die öffentliche Debatte in Gang zu bringen, aber es reichte nur für zwei Busse ein Monat lang. Noch ehe die Busse mit der säkularen Botschaft durch Wien fuhren, wurde der bereits unterschriebene Werbevertrag gekündigt.

Kardinal Schönborn begrüßt also die öffentliche Debatte. Und er bewundert auch die Wirksamkeit von Werbung. Deshalb war er am 3. Dezember 2008 über den weihnachtlichen Werbespruch so erfreut: gerade durch die Reduzierung auf das Wesentliche ist eine Konzentration der Botschaft möglich. Doch die Laizisten lässt er nunmehr durch die Zeitung wissen: Sie (die öffentliche Debatte) muss argumentieren. Gründe nennen, warum wir an Gott glauben und warum nicht. Ja warum wurde denn vor Weihnachten 2008 damit nicht begonnen? Warum glauben denn Christen, dass am 24. Dezember Gott geboren wurde. Das fehlte auf dem Plakat.

© Martin Luksan, 14. Juni 2009

Falter postuliert atheistischen Apostel

Falter, 17.06.2009 Im aktuellen Falter (25/09) berichtet Stefan Apfl in der Kolumne Mediaforschung über die Atheist Bus Campaign:

Gibt es Gott? “Nein”, sagt Niko Alm, “da bin ich mir persönlich sicher.”

… ] “Die Kampagne hat sicher einen provokanten Anspruch”, sagt Alm. Die Reaktion der Wiener Linien zeige aber ein weiteres Mal, dass “Religion in Österreich ein großes Tabuthema ist”. [ …

Erich Eder und Christoph Baumgarten zu Gast bei Hary Raithofer, 88.6

Erich Eder (Präsident, AG-Athe) und Christoph Baumgarten (Freidenkerbund Österreichs) waren heute früh zu Gast bei 88.6. Morgenshow-Moderator Hary Raithofer. Dieser versuchte natürlich die beiden mit gezielten Provokationen und den altbekannter religiöser Wehleidigkeit aus dem Konzept zu bringen. Damit ist er einmal mehr gescheitert.

88.6 Morning Show vom 15.6.2009, Teil 1

88.6 Morning Show vom 15.6.2009, Teil 2

profil kommentiert die Buskampagne

Profil, 15.06.2009 Sven Gächter hat im heutigen profil (15.6.2009) einen Kommentar zur Buskampagne abgegeben, den wir doch gerne mit einem Leserbrief beantworten.

Lieber Sven Gächter,

zugegebenermaßen ist das Substrat für einen Leserbrief etwas gering. Ich rechtfertige es damit, dass die Kolumne Mediamarkt leider keinerlei Position bezieht, nämlich weder die Entscheidung der Wiener Linien billigend, noch missbilligend. Nicht einmal, dass diese Kampagne ein Impulsgeber für eine Diskussion sein könnte, oder völlig irrelevant ist, kann ich herauslesen. Gerade das profil und Sven Gächter, die sonst nie vor klar artikulierter Meinung zurückschrecken, lavieren hier im aussagelosen Niemandsland. Alleine an der Formulierung des Slogans wird gemäkelt “schwerfällig” und “uninspiriert”, während die eigenen Englischkenntnisse gleich einmal ins Scheinwerferlicht gestellt werden (“augenzwinkernde Leichtigkeit”). Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Die englische Version war uns zu platt und humorlos. Das haben die Kollegen von buskampagne.de wesentlich besser erledigt. Die “mit an Sicherheit grenzende” Wahrscheinlichkeit ist ja dem Iuristischen entlehnt und beinhaltet wesentlich mehr Augenzwinkern als “probably”. Die Subline enthält zumindest einen konkreten Denkanstoß, der im Gegensatz dazu bei “Don’t worry – enjoy life!” eher in den Hintergrund tritt. Es kommt wahrscheinlich auf die persönliche Disposition an, was besser funktioniert. Es wird jedenfalls im Verlauf der Kampagne mehrere, auch leichtfüßigere Varianten geben. Der Seitenhieb auf die unterstellte Schwerfälligkeit ist jedenfalls billig, und Schade, wenn das als einziger Kritikpunkt übrigbleibt.

BG
Niko Alm

Regenbogenbeflaggung der Wiener Linien

Die Bim fährt in Wien mit Regenbogenfahnen durch die Stadt. Fällt das unter politische Werbung?
Ich denke schon: “gay” und “bright” sind miteinander mehr als nur vergleichbar. Beide kämpfen gegen die Diskriminierung ihrer Weltanschauung bzw. für das gleichberechtigte Ausüben ihrer Rechte.

Warum machen die Wiener Linien hier eine Ausnahme?