Durst fragt nach der Buskampagne

Die Studierenden-Beilage des Falter hat sich in einer Kolumne der Buskampagne gewidmet.

Bei allem Respekt vor der gnadenlosen Recherche, sei hier erwähnt, dass die Kampagne natürlich ganz im Sinne einer Kampagne immer schon zeitlich begrenzt war und es nicht “seit einigen Monaten still” darum geworden ist. Dennoch: Danke an Stefanie Platzgummer für das Aufgreifen des Themas. Eine zweite Welle der Buskampagne ist tatsächlich in Planung.

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Kommentieren 15.11.09

Ergänzungen zum derStandard.at Streitgespräch mit Andreas Khol

Das Thema ist ein Thema.

Das Streitgespräch Andreas Khol vs Niko Alm auf derStandard.at (eingefädelt, moderiert und dokumentiert von Lukas Kapeller und Saskia Jungnikl) führte zu einer stattlichen Anzahl an Postings, bis dato ~1,300. Darüberhinaus gab es eine erkleckliche Anzahl persönlicher Rückmeldungen und die Laizismus-Initiative konnte um gut 100 UnterstützerInnen zulegen gestern.

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Weil so ein Gespräch nicht in voller Länge wiedergegeben kann (auch weil Andreas Khol sehr viel ausführlicher formuliert als zu lesen ist) und wegen des fehlenden Kontext manche Dinge nicht so klar nachvollziehbar erscheinen, möchte ich an dieser Stelle ein paar Ergänzungen anbringen.

Vorweg, ein Gesprächspartner wie Andreas Khol ist eine wirkliche Freude in der Diskussion: sehr gut vorbereitet (Er rückte mit einem richtigen Dossier an), witzig, ein guter Zuhörer, aber auch kein Harmoniesüchtler.

Interessant ist auch zu erwähnen, was in der Wiedergabe auf derStandard.at keinen Platz hatte:

  • Mit der Abschaffung des §188 StGB (“Blasphemieparagraph”) kann sich Khol durchaus anfreunden. Dieses Schutzbedürfnis hält er für nicht (mehr) notwendig.
  • Ein kurzer Nebenschauplatz wurde zur “Demut” eröffnet. Khol hält sie für einen urchristlichen Wert. Ich bin der Meinung, dass genau Demut den Gläubigen fehlt, die sich anmaßen gottgleich sogar im Jenseits weiterleben zu können, während der Atheist demütig zur Kenntnis nimmt, dass es mit dem Tod aus ist.
  • Khol beharrte mehrmals darauf, dass die katholische Kirche soviel zur Gleichberechtigung der Frau beigetragen hat. Dem musste ich das 10. Gebot entgegenhalten (siehe weiter unten).
    Außerdem bestätigte er, dass auch er vatikangetreu gegen Frauen als Priesterinnen ist, weil hier die Bibel anderes vorgibt.
  • Der Versuch Daniel Dennetts “Belief in Belief” ins Spiel zu bringen musste scheitern, weil Khol damit klarerweise nichts anfangen konnte.
  • Der Punkt Machterschleichungsstrategie der Kirche und Marketing via Caritas ging sich leider auch nicht mehr aus. Das wäre v. a. insofern interessant gewesen hier die Mär zu zerpflücken, wonach die Kirchen ja soviel Gutes tun. Denn klarerweise sorgt sich die Kirche um das Wohlergehen ihrer Schafe und nützt derartige Einrichtungen natürlich auch zur Mission. Abgesehen davon beweist karitatives Engagement natürlich nicht die Existenz eines Gottes und es rechtfertigt auch keine rechtliche Besserstellung.

Noch ein paar Punkte im Detail:

“Alm: Ich möchte Ihnen ein Zitat von Immanuel Kant entgegenhalten: Die Existenz kann nicht durch Logik allein bewiesen werden, dazu braucht es die Empirie.”

Damit ist natürlich Kants Kritik am Ontologischen Gottesbeweis gemeint, was in der verkürzten Darstellung untergehen muss. In seiner Antwort spricht Khol von Popper. Das bezieht sich aber nicht auf den obigen Kant, sondern auf eine spätere Aussage von mir über Popper.


Alm: Gemeint habe ich das Buch Mose: “Wenn einer bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Greuel ist und sollen beide des Todes sterben.”
Khol: Das ist das Alte Testament. Das ist also nicht die Frohbotschaft Jesu Christi. Ich würde sagen: 1:0.

Wie Khol hier von einem 1:0 sprechen kann, wenn ich ihm die korrekte Bibelstelle (3 Mose 20:13) zitiere, wonach Homosexualität mit dem Tod zu bestrafen ist, ist mir schleierhaft. Aber gut.

Alm: Viele dieser Werte sind in allen möglichen Religionen bei vielen Völkern im Laufe der Evolution gleichzeitig und parallel entstanden, ohne dass es eine Offenbarung gebraucht hätte, ohne dass es einen Gott gibt, der zehn oder 17, wie viele Gebote auch immer diktiert.

Das klingt natürlich so, als wüsste ich nicht, dass die 10 Gebote 10 sind. Allerdings wird in Exodus 20,2-17 nicht ordentlich durchnummeriert und selbst der evangelische und katholische Katechismus haben nicht die selben 10 Gebote.

Alm: Also ich glaube, wir sind uns einig, dass diese Werte natürlich auch im Christentum zu finden sind, aber nicht kausal ausschließlich aus dem Christentum kommen. Das Schutzgebot für die Frau finde ich insofern komisch. Wir haben Gebot Nummer Zehn: “Du sollst nicht begehren Deines Nächsten Rindvieh, Esel, Schwein und Ehefrau.” So in etwa heißt es da sinngemäß …

Khol: … ich würde Sie bitten, respektieren Sie meine Überzeugung und verhöhnen Sie mich nicht mit Schwein, Esel und Frau. Bis jetzt waren wir sehr fair miteinander. “Du sollst nicht begehren …” ist das siebente Gebot.

Ich denke hier richtig zitiert zu haben (bis aufs Schwein): Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat.
Und es handelt sich um das zehnte Gebot, nicht um das siebente. Und generell wollte ich dadurch zeigen, dass die Bibel die Frau auf einer Stufe mit dem restlichen Hausrat sieht. Wo ist da die Gleichberechtigung?

Khol: Ja, ich glaube an die Transsubstantiation (die Wandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Jesu Christi, Anm.).

Das wollen wir doch noch einmal festhalten…

Khol: Die Hölle steht in keiner Bibel. Die ist bloß ein Konstrukt, um den Leuten Angst zu machen.

Das steht im Widerspruch zum katholischen Katechismus, wo es heißt:

1035 Die Lehre der Kirche sagt, daß es eine Hölle gibt und daß sie ewig dauert. Die Seelen derer, die im Stand der Todsünde sterben, kommen sogleich nach dem Tod in die Unterwelt, wo sie die Qualen der Hölle erleiden, „das ewige Feuer” [Vgl. DS 76; 409; 411; 801; 858; 1002; 1351; 1575; SPF 12]. Die schlimmste Pein der Hölle besteht in der ewigen Trennung von Gott, in dem allein der Mensch das Leben und das Glück finden kann, für die er erschaffen worden ist und nach denen er sich sehnt.

Wenn Khol die Hölle leugnet, ist der dann noch Katholik?

114 Kommentare 6.08.09

Buskampagne in ORF Orientierung

Der ORF brachte am Sonntag einen Beitrag über die Buskampagne, wo auch der katholische Theologe Wolfgang Treitler zu Wort kommt. Wie er richtig bemerkt ist die “Zeit der Gottesbeweise lang vorbei”. Auch sonst ist ihm in seinen Statements ohne weiteres zuzustimmen: “Gott ist eine Frage des Glaubens” und “Am Schluss geht es um die Frage Gott:” ja oder nein?”

Problematisch ist sein Fazit: Gott sei eine existenzielle Frage, keine theoretische Frage. Hier offenbart sich einmal mehr die Zweischneidigkeit in den Aussagen der Theologen und Kirchen: Einerseits wird die Gottesfrage ins Persönliche zurückgedrängt und gesellschaftlich tabuisiert. Auf der anderen Seite noch durch gesetzliche Privilegien (§188 StGB, Blasphemie) unangreifbar gemacht. Gott dient als Rechtfertigungsschild, der viele Fragen abprallen lässt.

Robert Misik, der in dem Beitrag auch zu Wort kommt, sieht das natürlich etwas anders und bringt u. a. Beispiele für gesellschaftliche Diskriminierung von Unngläubigen.

Für die Buskampagne spricht diesmal Christoph Baumgarten. Auf seinem Blog politwatch.at sind weitere Kommentare zu Beitrag zu finden.

Kommentieren 28.07.09

Die Buskampagne im ORF-Report

Am Dienstag (21.7.) sind wir mit der Buskampagne im ORF Report gelandet. Der Beitrag von Münire Inam ist gelungen. Klarerweise schafft es nur ein kleiner Teil der Footage in die Endversion. Wir sind dennoch ganz zufrieden. Schön auch, dass Paul Zulehner und Ednan Aslan vor unseren Plakaten gefilmt wurden.

Danke Günter für den Mitschnitt.

6 Kommentare 23.07.09

Martin Luksan antwortet Christoph Schönborn

Heute, 12.06.2009 Christoph Schönborn fordert in einem Gastkommentar/Advertorial im zeitungsähnlichen Medium heute vom 12.6.2009, die Buskampagne möge nebst Werbesprüchen auch Argumente bringen. Martin Luksan (Vorsitzender des Freidenkerbundes) antwortet (siehe auch politwatch.at):

Mit zweierlei Maß messen,
um zu unterdrücken!

Der Kardinal nahm die Laizisten von seiner Kanzel in der Massenzeitung aus zur Kenntnis. Das ist nicht nichts. Er schrieb auch gute Worte:

Wir haben Religionsfreiheit. Und daher auch die Freiheit, nicht an Gott zu glauben. Das ist gut so. Gut ist auch, dass es vielen nicht gleichgültig ist, ob Gott existiert oder nicht. Gut ist die öffentliche Debatte darüber.

Doch gleich wechselte er das Thema, schrieb über Werbung weiter und
schloss mit:

Werbesprüche sind keine Argumente.

Worum geht es diesmal? Eine Meinungsgruppe in Österreich möchte ihre säkulare Botschaft genauso in die Mitte der Öffentlichkeit stellen wie die katholische Kirche ihre religiösen Mythen. Sie möchte der österreichischen Gesellschaft drei Sätze mitteilen: Es gibt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Gott. Werte sind menschlich. Auf uns kommt es an.

Nun treten allerlei Nebenaspekte hinzu, ob die säkulare Botschaft eine Religion ist, ob sie die Botschaft der Großen Kirche verächtlich macht, ob die Wiener Linien noch nie oder immer schon religiöse und politische Werbung erlaubt haben. Der Teufel sitzt diesmal nicht im Detail, sondern in einer allgemeinen, österreichischen Mentalität.

Die Wiener Linien könnten einfach sagen: Die Katholische Kirche hat noch nie eine Botschaft auf einen unserer Busse aufgeklebt und bevor diese ehrwürdige Institution das noch nicht gemacht hat, dürft ihr das sowieso nicht. Doch das wäre kein juristisches Argument, sondern der wilde, katholische Osten.

Rein theoretisch könnten öffentliche und private Verkehrsbetriebe in Österreich politische und religiöse Inhalte auf ihren Werbeflächen verbieten und immer schon verboten haben. Doch dann erhebt sich die Frage, wie weit entfernt von den Werbewänden der Verkehrsbetriebe sich im Dezember 2008 folgender Spruch befand:

Zu Weihnachten wurde Jesus Christus geboren. Ein Fest der Freude
für die Menschen.

Diese zwei Sätze sind alles andere als harmlos, weil sich der erste Satz auf ein Datum und auf eine angeblich historische Person bezieht, die ein Gegenstand der Wissenschaften ist, und weil der zweite Satz suggeriert, dass alle Menschen an einen Gott glauben, der Mensch geworden ist, obwohl die Zahlen der Erdbevölkerung das glatt widerlegen. In Österreich befanden sich diese beiden Sätze auf 2300 Plakatflächen und in 600 Citylights. Sie kosteten 300 000 Euro.

Die Gruppe der Laizisten ließ Klebefolien in Deutschland herstellen, weil sie dort billiger sind, und mietete für 1100 Euro zwei Busse (Anm. Buslinien). Sie hätte lieber tausende Plakatflächen und hunderte Citylights beklebt, um die öffentliche Debatte in Gang zu bringen, aber es reichte nur für zwei Busse ein Monat lang. Noch ehe die Busse mit der säkularen Botschaft durch Wien fuhren, wurde der bereits unterschriebene Werbevertrag gekündigt.

Kardinal Schönborn begrüßt also die öffentliche Debatte. Und er bewundert auch die Wirksamkeit von Werbung. Deshalb war er am 3. Dezember 2008 über den weihnachtlichen Werbespruch so erfreut: gerade durch die Reduzierung auf das Wesentliche ist eine Konzentration der Botschaft möglich. Doch die Laizisten lässt er nunmehr durch die Zeitung wissen: Sie (die öffentliche Debatte) muss argumentieren. Gründe nennen, warum wir an Gott glauben und warum nicht. Ja warum wurde denn vor Weihnachten 2008 damit nicht begonnen? Warum glauben denn Christen, dass am 24. Dezember Gott geboren wurde. Das fehlte auf dem Plakat.

© Martin Luksan, 14. Juni 2009

24 Kommentare 18.06.09

Falter postuliert atheistischen Apostel

Falter, 17.06.2009 Im aktuellen Falter (25/09) berichtet Stefan Apfl in der Kolumne Mediaforschung über die Atheist Bus Campaign:

Gibt es Gott? “Nein”, sagt Niko Alm, “da bin ich mir persönlich sicher.”

… ] “Die Kampagne hat sicher einen provokanten Anspruch”, sagt Alm. Die Reaktion der Wiener Linien zeige aber ein weiteres Mal, dass “Religion in Österreich ein großes Tabuthema ist”. [ …

1 Kommentar 17.06.09

Erich Eder und Christoph Baumgarten zu Gast bei Hary Raithofer, 88.6

Erich Eder (Präsident, AG-Athe) und Christoph Baumgarten (Freidenkerbund Österreichs) waren heute früh zu Gast bei 88.6. Morgenshow-Moderator Hary Raithofer. Dieser versuchte natürlich die beiden mit gezielten Provokationen und den altbekannter religiöser Wehleidigkeit aus dem Konzept zu bringen. Damit ist er einmal mehr gescheitert.

88.6 Morning Show vom 15.6.2009, Teil 1

88.6 Morning Show vom 15.6.2009, Teil 2

21 Kommentare 15.06.09

Die Kampagne findet natürlich statt

Nach der Absage der Wiener Linien bekamen wir einige Mails mit dem Ausdruck des Bedauerns, dass die Kampagne jetzt doch nicht stattfindet. Dem ist natürlich nicht so! Es soll zwar eine Kampagne sein, die ihrem Namen entsprechend auf Bussen durch die Städt rollt, aber Wien ist nicht die einzige Stadt und wir sind auch nicht auf Buswerbung beschränkt.

Die Kampagne läuft bereits seit Jänner 2009 in Österreich. In den letzten Monaten gab es Inserate mit dem englischen Originalslogan in The Gap, Vice und Biorama.

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Als nächstes sind City Lights in Wien geplant.

Siehe auch Berichterstattung auf:

PS: Im Übrigen sei es den Wiener Linien unbenommen, unsere Kampagne abzulehen. Als privates Unternehmen können die Wiener Linien machen, was sie wollen. Unsere Kritik richtet sich an das Zurückziehen der bereits gegebenen Zusage, das Vorschieben der Gewista als Schuldigen und v. a. das Anführen einer Begründung, die keine (Atheismus ist keine Religion) ist. Nach dieser Regelung fielen vermutlich einige Kampagnen unter das selbstauferlegte Verbot von Werbung mit religiösem Hintergrund.

6 Kommentare 13.06.09

Recherchefehler von steiermark.orf.at

Der ORF berichtet auf steiermark.orf.at auch über eine geplante Durchführung der Kampagne in Graz.

Eine Wiener Agentur hatte das Plakat mit dem Text “There’s probably no god – Es gibt wahrscheinlich keinen Gott” sowohl den Wiener als auch den Grazer Verkehrsbetrieben angetragen – jedoch ohne Erfolg.

Super-Fi, die Agentur, die die Kampagne in Österreich abwickelt, hat zwar die Kampagne bei den Wiener Linien gebucht, aber in Graz noch gar nicht angefragt. Der ORF wäre gut beraten hier ordentlich zu recherchieren.

Interessant ist auch, dass in Graz die Kirche offensichtlich ein Veto bei nicht-genehmen Kampagnen einlegen darf:

Gescheitert ist das Vorhaben in Graz allerdings nicht am Veto der Kirche, sondern an den Grazer Verkehrsbetrieben (GVB).

Wir werden unsere (echte) Anfrage in den nächsten Tagen stellen und sind gespannt auf die Stellungnahme der Grazer Verkehrsbetriebe.



2 Kommentare 11.06.09

ZiB2-Beitrag vom 9.6.2009 über die Buskampagne

Die ZiB2 hat einen kurzen Beitrag zum Rückzieher der Gewista / Wiener Linien gemacht:

16 Kommentare 9.06.09




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