Der ORF brachte am Sonntag einen Beitrag über die Buskampagne, wo auch der katholische Theologe Wolfgang Treitler zu Wort kommt. Wie er richtig bemerkt ist die “Zeit der Gottesbeweise lang vorbei”. Auch sonst ist ihm in seinen Statements ohne weiteres zuzustimmen: “Gott ist eine Frage des Glaubens” und “Am Schluss geht es um die Frage Gott:” ja oder nein?”
Problematisch ist sein Fazit: Gott sei eine existenzielle Frage, keine theoretische Frage. Hier offenbart sich einmal mehr die Zweischneidigkeit in den Aussagen der Theologen und Kirchen: Einerseits wird die Gottesfrage ins Persönliche zurückgedrängt und gesellschaftlich tabuisiert. Auf der anderen Seite noch durch gesetzliche Privilegien (§188 StGB, Blasphemie) unangreifbar gemacht. Gott dient als Rechtfertigungsschild, der viele Fragen abprallen lässt.
Robert Misik, der in dem Beitrag auch zu Wort kommt, sieht das natürlich etwas anders und bringt u. a. Beispiele für gesellschaftliche Diskriminierung von Unngläubigen.
Für die Buskampagne spricht diesmal Christoph Baumgarten. Auf seinem Blog politwatch.at sind weitere Kommentare zu Beitrag zu finden.
Unser Kollegen der deutschen Buskampagne haben sich daran gesetzt die häufigsten Fragen ausführlich zu beantworten. Das Ergebnis ist eine eigene Website: http://www.gottlos-glücklich.de/
Folgendes wird erörtert:
Wenn es keinen Gott gibt, was ist dann der Sinn des Lebens?
Brauchen Werte einen Gott?
Wie findet ihr ohne Religion Mitgefühl? Wie tröstet man z. B. als Atheist ein sterbendes Kind?
Ist das Christentum die Grundlage unseres Rechtsstaates?
Die meisten Menschen auf der Erde sind religiös. Wie, außer durch Gott, lässt sich das erklären?
Ist Atheismus nicht auch nur eine Religion?
Was sind die Merkmale religiösen Denkens?
Den Atheisten ist es bisher nicht gelungen, Gott zu widerlegen. Das sagt doch alles, oder?
Könnte man Gott beweisen? Und würde das einen Atheisten umstimmen?
Und wenn es ihn doch gibt …?
Die Evolution ist doch auch nur eine Theorie!?
Ich habe gehört, die Evolutionstheorie sei sehr umstritten. Stimmt das?
Welche Interpretation der Bibel ist denn nun die richtige?
Seit die Kampagne tatsächlich öffentlich zu sehen ist, kommen auch die ersten Spenden herein.
Wir zeigen den Spendenstand in der rechten Spalte an. Er verändert sich aber nicht in real-time (also bei den Überweisungen nicht wundern), sondern wird manuell aktualisiert werden. Auch die Stickers im Shop verkaufen sich ganz gut.
Der erste Tausender ist jedenfalls geschafft!
Der Betrag beinhaltet natürlich nicht die Beträge, die von den unterstützenden Vereinen und Super-Fi ins Kampagnenbudget eingeflossen sind.
Über die Verwendung der Spenden werden wir natürlich informieren.
Am Dienstag (21.7.) sind wir mit der Buskampagne im ORF Report gelandet. Der Beitrag von Münire Inam ist gelungen. Klarerweise schafft es nur ein kleiner Teil der Footage in die Endversion. Wir sind dennoch ganz zufrieden. Schön auch, dass Paul Zulehner und Ednan Aslan vor unseren Plakaten gefilmt wurden.
Nach anfänglicher Zusage und Übermittlung eines konkreten Angebots unterrichtete uns das Unternehmen progress von der Absage der Salzburg AG. Auch hier wird keine Atheist Campaign auf Bussen zu sehen sein.
Eine ordentliche Begründung erhielten wir noch nicht, lediglich indirekt über einen Mitarbeiter von progress:
sehr geehrter herr alm,
das von ihnen übermittelte sujet wurde seitens der salzburger verkehrsbetriebe abgelehnt da die verkehrsbetriebe werbung aus dem bereich religion, sekten, etc. grundsätzlich nicht auf ihren fahrzeugen genehmigen.
Mit freundlichen Grüßen
Abgesehen davon, dass die Buskampagne weder mit Religion noch mit Sekten etwas zu tun hat, sei hier bemerkt, dass politische Kampagnen auf Bussen in Salzburg kein Problem sind. Da es sich bei der Atheist Campaign am ehesten noch um eine politische Kampagne handelt, lässt die Absage doch sehr seltsam erscheinen.
Wir versuchen aber ein Originalzitat von der Salzburg AG zu bekommen.
Seit heute ist die Kampagne tatsächlich im öffentlichen Raum an mehreren Standorten in Wien zu sehen und zwar auf den von der Gewista als Alternative zu den Bussen der Wiener Linien angebotenen City Lights.
Drei verschiedene Sujets gibt es zu sehen:
Es gibt keinen Gott. Gutes tun ist menschlich.
There’s probably no god. Now stop worrying and enjoy your life.
Gott ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein tschechischer Schlagersänger. Entspann dich. Er wird dir nichts tun.
Um nach Wien und Graz möglichst schnell zu klaren Aussagen zu gelangen, haben wir in Innsbruck und Salzburg schon bei den ersten Anfragen gleich einen Draft des gewünschten Sujets mitgeliefert.
Das bei den Innsbrucker Verkehrsbetrieben (IVB) einbuchende Unternehmen Sitour nahm die Anfrage entgegen und klärte das Sujet für uns ab – mit dem prompten Ergebnis der Ablehnung.
Eine weitere Nachfrage bei den IVB förderte folgende (doch eher knappe) Begründung zu Tage:
Sehr geehrter Herr Alm!
Als öffentliches Verkehrsunternehmen sind wir bestrebt keinerlei Werbung zuzulassen, die für einzelne Personen oder Gruppen beleidigend wirken könnte.
mit freundlichen grüßen
ing. harald jösslin
handlungsbevollmächtigter
bereichsleiter fuhrparkmanagement
sicherheitstechnischerdienst
innsbrucker verkehrsbetriebe und stubaitalbahn gmbh
pastorstraße 5, a-6010 innsbruck
Diese Antwort wirft natürlich das Problem der Grenzziehung auf: Welche Werbung ist für wen beleidigend?
Ein völlig unreligiöses Tourismus-Sujet (Quelle: Sitour)
Als privates Unternehmen, und eine AG ist per definitionem privat, steht es den GVB natürlich frei ohne Begründung Kampagnen abzulehnen. Dennoch waren wir daran interessiert eine Begründung zu erhalten. Schon wenige Wochen nach unserer Anfrage kam die Antwort, in der es ja außerdem aufzuklären galt, ob die Kirche in Graz, wie vom ORF unterstellt, tatsächlich ein Vetorecht bei Kampagnen hat.
Die Antwort von Dir. Dr. DI Antony Scholz im Originalwortlaut:
Sehr geehrter Herr Alm
In Bezug auf Ihre Mail vom 17.6.2009 möchten wir Ihnen mitteilen, dass die GVB als öffentliches Verkehrsmittel Menschen aller Konfessionen und natürlich auch Atheisten ohne Unterscheidung befördern.
Religionspolitische Diskussionen sind gesellschaftspolitisch sehr wichtig, sollten aber nicht in oder auf öffentlichen Verkehrsmitteln ausgetragen werden.
Das Management der GVB verfolgt diese Diskussionen mit Interesse und jeder GVB-Manager hat dazu seine persönliche Meinung, offiziell wollen und müssen wir uns aber aus dieser Diskussion heraushalten. Aus diesem Grund habe ich Ihnen schon einmal vorgeschlagen, sich an die Fa. Ankünder in Graz zu wenden und andere Möglichkeiten der Publikation bzw. Veröffentlichung, z. B. über Plakate in Graz, zu nutzen.
Feststellen möchten wir auch, dass die GVB kein Privatbetrieb sind, sondern die Stadt Graz Eigentümer ist. Weiters teilen wir Ihnen mit, dass die Kirche (welche?) natürlich kein Vetorecht in Bezug auf unsere Verkehrswerbung ausübt. Auch betreffend Ihrer Atheismus-Kampagne hat es KEINERLEI Kontakte mit irgendwelchen Religionsgemeinschaften gegeben.
Mit freundlichen Grüßen
A. Scholz
Dir. DI. Dr. Antony Scholz
Bereichsleiter
GRAZ AG – Stadtwerke für kommunale Dienste
Verkehrsbetriebe
Steyrergasse 114
8010 GRAZ | Austria
FN 54309 t, Landes- als Firmenbuchgericht Graz
DVR-Nr.: 0035343
UID-Nr.: ATU 28606700
Nach Wien hat Graz damit als zweite Stadt die Durchführung der Kampagne auf öffentlichen Verkehrsmitteln erfolgreich verhindert.
In der aktuellen Ausgabe von MO (#15) ist die Buskampagne mit einem halbseitigen Inserat zu finden. Das Magazin von SOS Mitmensch liegt auch erstmals der Furche bei.
Martin Margulies (Die Grünen Wien) stellte am 22.6. bei der Sitzung des Wiener Gemeinderats einige Fragen zur Ablehnung der Atheist Bus Campaign durch die Wiener Linien an Renate Brauner, Vizebürgermeisterin und zugleich amtsführende Stadträtin der Geschäftsgruppe Finanzen, Wirtschaftspolitik und Wiener Stadtwerke.
Sowohl die (Nicht-)Antworten der Vizebürgermeisterin als auch die Zusatzfragen von Seiten der ÖVP und FPÖ lassen keinerlei Sensibilität für das eigentlich Problem, dass offensichtlich über Religion nicht gesprochen werden darf, erkennen.