Die Gewista nimmt doch die Schuld auf sich

9.06.09 | alm |
,

Entgegen den ursprünglichen, telefonischen Auskünften der Gewista, wonach die Wiener Linien ihre bereits gegebene Zustimmung zurückgezogen hätte, erklärt sich das Unternehmen nunmehr selbst schuldig. Hier die eben eingelangte Stellungnahme im Original:

Sehr geehrter Herr Alm ,

bezugnehmend auf das von Ihnen übersandte Sujet, welches auf Fahrzeugen der Wiener Linien angebracht werden sollte und durch uns nachträglich abgelehnt wurde, ist folgendes zu sagen:

Die Gewista besitzt im Rahmen der Vermarktung der öffentlichen Verkehrsmittel in Wien mit den Wiener Linien das Arrangement, Aufträge für politische Werbung und Religionsgemeinschaften im weitesten Sinne nicht anzunehmen. Bei der von uns erteilten ursprünglichen Freigabe ist es auf Sachbearbeiterebene fälschlicherweise zu einer Freigabe gekommen, welche dem Inhalt dieses Arrangements nicht entspricht. Erst nach Kenntnisnahme durch die Geschäftsführung wurde dieser Fehler erkannt und die Affichierung gestoppt. Es wurde bei dieser nachträglichen Rücknahme dieser Freigabe kein Druck von außen durchgeführt. Es handelt sich dabei – wie bereits erwähnt – um dieses vertragliche Grundsatzarrangement zwischen Gewista und den Wiener Linien, welche wir einzuhalten haben.

Wir möchten uns für diesen Fehler bei Ihnen entschuldigen und sind natürlich gerne bereit, Ihr Anliegen auf anderen Werbeträgern zum Aushang zu bringen, bei denen diese vertragliche Einschränkung nicht besteht. Für die durch Herstellung der Folien entstandenen Kosten kommen wir natürlich auf.
Mit freundlichen Grüßen
Hansjörg Hosp

15 Kommentare Einen eigenen verfassen

  • 1. hc voigt  |  9.06.09 at 9:51 am

    was in dieser Erklärung allerdings fehlt ist die Erklärung.

    Will die Gewista das übersandte Sujet als “politische Werbung” ansehen? Als Werbung für Religionsgemeinschaften “im weitesten Sinne”?

    nicht stringent :/

  • 2. kolibri  |  9.06.09 at 10:32 am

    Die Atheist Bus Campaign macht im Grund Werbung für eine Stellungnahme zur Religion. Insofern wäre es verständlich, dass sich gewista an ihre Prinzipien halten… wenn es auch wirklich solche gibt. Irgendjemand mit Gegenbeweisen? Wie gesagt… ich bin mir nicht zu 100% sicher… :/

    Ich sehe ein Problem. Wenn die Atheisten jetzt ihre Werbung “erkämpfen”, dann ebnen sie den Weg für religiöse Werbung… auf Dauer würde aber die religiöse Werbung gewinnen, da deren Initiatoren vermutlich über mehr Kapital verfügen.

    Die “Zu Ostern ist Jesus blablabla”-Plakate wurden übrigens von Epamedia geschaltet.

  • 3. alm  |  9.06.09 at 10:44 am

    Jeder soll werben können. Warum einschränken?

    Religiöse Werbung ist permanent zu sehen: Lange Nacht der Kirchen, Aktion Leben, Caritas, katholisch.at, …

  • 4. Amazone  |  9.06.09 at 10:54 am

    @alm
    Die Werbung für die “Lange Nacht der Kirchen” war ja wieder extrem penetrant (alle Medien voll damit)! Allerdings fahre ich kaum mit Öffis, daher könnte ich jetzt nicht sagen, ob sich derartige Plakate dort finden lassen. Es wäre gut, wenn Leute Fotos machen würde, wenn sie welche entdecken.
    Die Absage ist jedenfalls sehr ärgerlich.
    Was macht ihr jetzt? Prüft ihr rechtliche Schritte und/oder eine andere Art der Werbung?

  • 5. alm  |  9.06.09 at 10:56 am

    Rechtliche Schritte kann ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausschließen. Wir werden das Thema nach Möglichkeit öffentlich diskutieren und andere werbliche Optionen wahrnehmen.

  • 6. Katzenkind  |  9.06.09 at 11:14 am

    es gibt ja noch viele andere Möglichkeiten zu plakatieren? Sucht euch doch Leute in Wien die sich ne Tafel an den Zaun hängen ;) Und eben jeder kann Fotos einreichen wenn demjenigen etwas wie “religiöse Werbung” vorkommt.

    Ich finds schade das die da scheinbar so eine dämliche Ausrede haben damit die das nicht auf ihre Busse klatschen brauchen … =/

  • 7. kolibri  |  9.06.09 at 11:57 am

    Aber wenn gewista WIRKLICH keine polit./relig. Werbung betreibt, sehe ich es eher positiv. Auch wenn die Art der Absage – kurz vor dem Termin – eine Frechheit ist. :/

    Aber es gibt sicherlich Werbefirmen – wie eben Epamedia – die religiöse Werbung zulassen. Bei diesen Firmen wäre ich interessiert, was sie zu einr atheistischen Kampagne sagen würden.

    Zur Öffentlichkeit bringen ist jedenfalls eine gute Idee… ich bitte euch wirklich, weiterzumachen… seit dem FPÖ-Wahlkampf sehe ich eine derartige Aktion mehr als nötig.

    Ach ja… falls ihr T-Shirts oä drucken lasst, würde ich euch als Plakatwand zur Verfügung stehen ^^

  • 8. Christoph Baumgarten  |  9.06.09 at 1:11 pm

    Ich halte die Stellungnahme der Gewista für Augenauswischerei. Dass das keine religiöse Werbung sein kann, ist ja offensichtlich.
    Dennoch: Der Wirbel ist groß, das ersetzt schon beinahe die Kampagne ;-) . Bei mir sind auch schon einige Anfragen eingetrudelt, ob wir mit den Sujets nicht Stickers machen wollen oder ähnliches.

  • 9. r. d.  |  9.06.09 at 2:05 pm

    ist jemand, der nicht an gott glaubt, im weitesten sinne mitglied einer religionsgemeinschaft?

    ist jemand, der kein auto hat, im weitesten sinne ein autobesitzer?

    atheismus ist keine religionsgemeinschaft, nicht mal im weitesten sinn.

  • 10. erwin  |  9.06.09 at 3:00 pm

    atheisten können nicht unter “religionsgemeinschaft” fallen, genausowenig wie fussballverweigerer ein sportverein sind. gäbe es eine liberale partei in wien, könnte die zumindest eine anfrage im gemeinderat stellen, denn im sinne eines ordentlichen wirtschaftens ist es den wiener linien sicher nicht gestattet, auf mögliche (verlustmindernde!) einnahmequellen einfach so zu verzichten.

  • 11. René Monet  |  9.06.09 at 3:24 pm

    Hab quasi den selben brief als antwort der WL bekommen …

    Und zu: “sind natürlich gerne bereit, Ihr Anliegen auf anderen Werbeträgern zum Aushang zu bringen, bei denen diese vertragliche Einschränkung nicht besteht” – welche werbeträger könnten das sein? Muss es unbedingt ein bus sein?

  • 12. Schaf  |  9.06.09 at 6:34 pm

    Frage:
    Am Westbahnhof (auf der Ebene zwischen U6 und U3) stehen immer Zeugen Jehovas mit Wachtürmen,erwachet, usw…. Die werben dort ja wohl offensichtlich für eine religiöse Gemeinschaft.

    Braucht man dazu eine Genehmigung? Fällt dies in den Aufgabenbereich der Wiener Linien?

  • 13. Christian  |  9.06.09 at 10:50 pm

    @Schaf:
    Aber nicht doch, die werben doch nicht. Sie üben ihre Religion aus ;)

  • 14. Sabrina  |  12.06.09 at 9:12 pm

    die argumentation der gewista ist echt lächerlich. schließlich geht’s ja nicht um werbung für eine religionsgemeinschaft, sondern genau das gegenteil davon.

    na wenigstens kriegt ihr das geld zurück.

  • 15. LwBerg  |  14.06.09 at 1:33 am

    http://heresygenerator.blogspot.com/2009/06/atheist-bus-campaign-banned-in-two.html
    geteiltes leid… (:

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